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Samstag 21.08.10:  Wir brauchen eine Werkstatt!

Wir wollen weiter in Richtung Sanliurfa. Zwischenziel ist zunächst Antalya, dort möchten wir versuchen für Fabian ein Trikot von Klose zu kaufen. In Antalya tanken wir. Als wir die Tankstelle verlassen, macht unser Auto wieder heftige Geräusche, wenn man die Kupplung tritt wird es z.T. besser. z.T. "ruckelt" das Auto heftig beim Fahren und die Motorsteuerungslampe leuchtet auf. Beim leichten Gasgeben wird es besser. Es könnte das sog. Zweimassenschwungrad des Motors sein, ein leider häufiges Problem bei unserem Transit Modell, allerdings üblicherweise erst weit jenseits von 100tkm und wir haben noch nicht einmal 90tkm. Weil dieses Bauteil sehr teuer ist, haben wir es nicht "auf Vorrat" erneuern lassen. Wir beratschlagen kurz, was wir machen: weiterfahren, bis gar nichts mehr geht oder eine Werkstatt suchen. In Anbetracht von noch insgesamt über 3tkm in der Türkei und fast 1000km durch Griechenland sowie weiterer 1000km bis Stutensee, entscheiden wir eine Werkstatt zu suchen. An der Ausfallstraße nach Alanya reihen sich die Werkstätten aneinander, Renault, VW, Mercedes, Volvo und schließlich auch Ford. Wir sprechen im modernen Glaspalast vor und stehen wie so oft in diesem Urlaub vor einem Sprachproblem. Wo sind sie nur alle, die ehemaligen türkischen Gastarbeiter? Englisch kann nur der Neuwagenverkäufer, der erst von seinem Kollegen überredet werden muss, zu dolmetschen. Ich schildere den Fehler, der Mechaniker sieht sich den Wagen an. Er startet 3 mal und trottet dann wortlos von dannen - ich hinterher (er hat ja meinen Schlüssel!) Ich suche den Neuwagenverkäufer und bitte ihn erneut zu dolmetschen. Er übersetzt mir, ja der Wagen hätte ein größeres Problem, er wisse nicht, ob und wie lange man damit noch fahren könne. Ein anderer Kollege werde kommen.  Dieser kommt nach ca. 20 Minuten. Ich frage nach dem genauen Fehler, ob es vielleicht das " dual-mass-flywehl" sei. Den Begriff kennt er nicht. Defekt sei das "volant". (Ich kann ja kein Französisch, aber dort heißt der Begriff m.W. Lenkrad) Gemeinsam malen wir einen Motor, Schwungrad, Kupplung und Getriebe. Der Pfeil zeigt auf das 2-Massenschwungrad. Okay, meine Befürchtung war richtig.( Warum haben wir eigentlich immer alle Defekte, die der Transit im Laufe von 200.000 km hat schon immer nach weniger als der Hälfte der Zeit???)

Mein Übersetzer verschwindet und lässt mich 40 Minuten sitzen. Als er zurückkommt schnappe ich ihn mir, ich will wissen ob und wann und zu welchem Preis das repariert werden kann. Nach langen hin und her, Reparatur erst am Dienstag möglich, Kosten ca. 500 Euro. Ob und wie lange das Teil noch hält, weiß keiner, aber meine hinteren Bremsen müssten sie auch nachsehen, die hätten ein Schleifgeräusch. Ach und bei der Werkstatt warten dürfen wir auch nicht, sie haben nicht genug Parkplatz. - Okay das reizt uns eh nicht an einer Ausfallstraße im Gewerbegebiet ohne Schatten bei 45 Grad C auf  den Reparaturtermin 2Tage zu warten. Und die Hinterradbremsen sind in Ordnung, der Wagen hat frisch TÜV und ich habe mir die hinteren Beläge erst vor ca. 8tkm angesehen. (Möchte da jemand zusätzliches Geld verdienen?)

Der Glaspalast schließt und wir programmieren ihn als POI ins Navi, damit wir ihn notfalls Dienstag wiederfinden. Heike entdeckt die Möglichkeit im Navi Werkstätten auszuwählen und wählt eine andere Fordwerkstatt mitten im Stadtgebiet. Dank TomToms Hilfe finden wir dahin. Es ist eine Miniwerkstatt in einer Werkstattstraße. Hier wird noch alles nach alter Väter Sitte repariert. Dort werden Unfallautos ausgebeult, da werden Auspuffanlagen geschweißt, drüben werden Batterien verkauft und bei uns eben Fordfahrzeuge und Generatoren und einiges andere repariert.

Einen Parkplatz gibt es nicht und so halten wir mitten auf der Kreuzung. Ein eifriger Türke kommt aus der Werkstatt gelaufen und wir haben es wieder; das Sprachproblem. Er spricht leider weder deutsch noch englisch. Was unser Problem sei, will er wissen, Elektrik? nein Elektronic? nein (ein freudiges Lächeln, den da könnte er nicht helfen) aircondition? Nein, haben wir ja gar nicht. Mechanic? JA Ah gut, Mechanic "no problem". Aber was ist das Problem? Ich versuche es mit einer Mischung aus deutsch und englisch, ergebnislos. Ich male wieder einen Motor etc, er versteht meine Zeichnung nicht. Er meint in Zeichensprache Probefahrt. Aber durch die völlig zugeparkten Gassen kommt man kaum vorwärts und dank des Vorführeffektes ist nicht wirklich was vom Problem zu merken. Nun sind wir ratlos. Der Chef hat eine Idee, er ruft eine junge Frau an, die 20 Jahre in Deutschland war und deutsch kann. (na ja ein wenig) Leider hilft das nicht weiter, sie kennt keine technischen Begriffe und versteht meine Umschreibungen nicht. Da fällt mir ein, dass ich auf meinem Laptop einige Explosionszeichnungen des Antriebes habe und zeige diese den Mechanikern. AAHH das "volant" ist kaputt!! (ich hatte diesen Begriff leider schon wieder vergessen, weil ich ihn so unpassend fand)  No Problem! Ich denke, wo will diese kleine Werkstatt am Samstagnachmittag um 14.30 Uhr ein neues 2-Massenschwungrad herbekommen? Der Mechaniker will den Wagen zerlegen. ich stoppe ihn. In Zeichensprache bedeute ich ihm, ich möchte ERST das Ersatzteil sehen, ehe er den Wagen mitten auf der Kreuzung in nicht fahrbereiten Zustand versetzt.

OK er nimmt mich mit zu seinem Teilelieferanten. Wir laufen die "Mechanikerstraße" vor und gehen in die "Ersatzteilgasse". Ein Miniladen, bis unter die Decke vollgestopft mit Ersatzteilen erwartet mich. Nach nur 3 Minuten liegt ein Karton mit Ersatzteilen vor uns, Aber nun mache ich Schwierigkeiten; das Schwungrad ist massiv und KEIN 2-Massenschwungrad. Also verlange ich ein anderes. Die Türken sind ratlos, warum will der Deutsche das nicht? Das Sprachproblem verhindert genauere Aufklärung. Dem Teileshop fällt der Google-Übersetzer ein und ich schreibe, dass ich kein "massives" Schwungrad will. Er lässt mir durch Google übersetzen, es gäbe in der ganzen Türkei nur diese Art Schwungrad, es passe bei uns. Ich weiß aus dem englischen    Transitforum, dass dort manche User ihren Transit umbauen und so stimme ich schweren Herzens zu. Das Ersatzteil soll 200 Euro kosten, der Einbau 150TL (ca. 75 Euro)

Zurück am Transit legt unser Mechaniker los. Mitten auf der Kreuzung bockt er den Wagen vorne 40cm hoch und hebt auf einer Seite die Hinterräder vom Boden ab. Währenddessen sind die Kinder die ganze Zeit im Wagen, spielen Nintendo und Karten. Als der Mechaniker anfängt die über 30 Schrauben wild unter dem Auto zu verteilen, befällt mich Panik. Ich packe die neuen Teile aus und verwende den Karton für die Schrauben. Obwohl der Wagen seit nun mehr als 2 Stunden steht, sind die Kupplungsscheibe und das 2-Massenschwungrad beim Ausbau immer noch so heiß, dass man sich daran verbrennen kann. Der Mechaniker bewaffnet sich mit Putzlumpen und die Teile anzufassen und wirft die Kupplungsscheibe weit von sich. Die fange ich schnell ein, ich brauche sie in Deutschland, da es diese Teile als Austauschteile gibt und ich 75 Euro Pfand dafür bezahlen musste. Der Grund für den Ausfall dürfte wohl auch in dieser großen Hitzebelastung zu suchen sein und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es bei den türkischen Transit nur massive Schwungräder gibt. Die gebrauchte Kupplungsscheibe ist noch absolut neuwertig, der Vergleich mit der neuen lässt praktisch keinerlei Verschleiß erkennen und das nach über 80tkm mit einem 4-Tonner. - Das dürfte für meine Fahrweise sprechen. Zu Hause werde ich die Scheibe mit der digitalen Schiebelehre messen, um den genauen Verschleiß festzustellen.

Update: der Verschleiß beträgt 1,2mm also fast nichts. Die Scheibe hätte normalerweise mindestens nochmal 80.000 Km gehalten.

Nur der Mann in meinem Arm ist der Mechaniker, der 2. ist ein Bekannter von ihm, der unbedingt mit aufs Foto wollte.

Das war übrigens die Temperatur an diesem Tage:

Nach einigen Schwierigkeiten (als der Mechaniker entdeckte, dass der Deutsche tatsächlich Recht hat und ein anderes Schwungrad verbaut ist und den Teilehändler telefonisch zur Beratung hinzurief, einem falsch herum eingebauten Schalthebel, diversen Schrauben, die er aus dem Karton nahm und dann verlegte etc) ist alles fertig. Nach kurzer Probefahrt wird unser Transit als geheilt entlassen. Wir bezahlen 150 TL Arbeitslohn und 30TL Trinkgeld. Inzwischen ist es 17.30 Uhr geworden. Wir steuern nach einigen erfolglosen Versuchen am Meer einen Stellplatz zu finden den Wasserfall bei Manavgat an. Als wir eintreffen dämmert es schon. Mit dem letzten Licht gehen Marc und ich im Fluss schwimmen.

Vor dem Parkplatz ist ein Picknickplatz mit Brunnen und Klohaus auf dem über hundert Türken an über 40 Grillstellen wie wild grillen und kochen. Es ist Ramadan und sie dürfen erst nach Einbruch der Dunkelheit essen. Das tun sie dann auch, aber umso heftiger! Ich laufe im Dunkeln 6x mit der Gieskanne, dann ist unser Wasservorrat wieder aufgefüllt.

Sonntag, 22.08.10 wir tun etwas für den Staat oder Ärger mit der Polizei

Bevor morgens die Reisebusse unseren Parkplatz beanspruchen, starten wir um 8.00 Uhr, zuvor entsorgen wir noch am Picknickplatz. Heute ist Kilometerfressen angesagt. Vor den Hotelburgen in Antalya und Alanya graust es uns. Eine große Menge der Gäste scheint aus Rußland zu kommen, zumindest deuten dies zahlreiche Schilder und das Erscheinungsbild der Gäste an. Nach 100km winkt uns die Polizei heraus. Es gäbe ein "Kilometa-Problem" Mehr kann er uns nicht sagen. Er spricht, wie nicht anders zu erwarten weder englisch noch deutsch. Ich habe bis heute nicht herausgefunden, wo ich angeblich zu schnell war und wie viel.

Meine mühevollen Versuche, das herauszubekommen scheitern am Sprachproblem. (Oder der Unlust der Polizei hier etwas mitzuteilen) Wir bezahlen 97,50 TL Strafe, auf meine 100TL erhalte ich kein Wechselgeld, sondern nur ein Grinsen des Polizisten und ein "okay". Kurz hinter Anamur machen wir an einem Fluss Mittagsrast, Fabian und ich baden mit etwas Schwierigkeiten im max. 80cm tiefen Wasser. Später erwischt es uns in den Bergen ca. 80 km vor Erdemli. Wir müssen ca 5km über eine mit großen Mengen Bitumen frisch begossene Straße fahren. Den Erfolg seht ihr hier:

andere Seite:

 

Unser Auto ist bis über die Fenster bis auf das Dach mit Bitumen verspritzt. Alles was man anfasst, führt zu Teerspuren an den Händen. Als wir in Erdemli einen "Kamp" sehen, stoppen wir. Auch hier wieder Sprachprobleme. Was ich mir zusammenreimte: Wir müssen Parkgebühren für 2 Tage bezahlen, da wir über Nacht bleiben wollen. So werden relativ teure 20 TL fällig. Das Kamp ist bis auf uns und 6 italienische Womos menschenleer. Die Installationen sind defekt, Alle Duschkopfe fehlen oder gleich die ganze Dusche. Im Waschhaus fehlen die Lampen etc. Am Meer ekeln sich die Mädchen, es schwämme ein gebrauchter Tampon und ein toter Vogel darin, am Ufer liegen Babywindeln und Unrat.

Ich beschließe, mich nicht zu ärgern und setze mich vor das nach Teer stinkende Womo und tippe den Reisebericht der letzten 2 Tage.

Vielleicht gelingt es uns morgen etwas vom Bitumen wieder los zu werden. Im Moment kann man weder Trittstufe noch Wassertankdeckel benutzen, ohne sich völlig mit Teer zu verschmieren.

 

Montag, 23.08.10 wir waschen das Womo mit Diesel

Alles ist mit dem Bitumen verschmiert, beim Aus- und Einsteigen versaut man sich, keinen Türgriff etc. kann man anfassen ohne sich mit Teer zu versauen. Wir fahren auf unserem Weg in Richtung Sanliurfa die erste größere Autobahntankstelle an und zeigen unser Problem. Ich erinnere mich an einen Tipp aus dem Wohnmobilforum.de, mit Diesel abwaschen. Dabei denke ich daran, mit in Diesel getränkten Tüchern den Teer abzureiben. Die Tankstellenmitarbeiter bestätigen meinen Vorschlag und schicken uns zum Waschplatz. Der Wagenpfleger läuft los und holt 4l Diesel, er beginnt mit einer Bürste das gesamte Womo mit Diesel einzuschmieren.

 

Eine schwarzbraune Soße läuft am Auto herab. schnell sind die 4 Liter verbraucht, er holt nochmals 4 Liter. Dann spült er alles mit dem Dampfstrahler ab. Der 2. Dieselwaschgang beginnt, gefolgt von einem verzweifelten 3. Die Sonne hat das Bitumen-Diesel Gemisch ganz schnell in das Plastik des Womos einziehen lassen. Es bleibt eine braune hässliche Färbung zurück. Er bedeutet uns, wir müssten das zu Hause mit Politur wegpolieren. (Hoffentlich geht das!) Egal, wir hatten keine Wahl, so oder so musste das Bitumen runter vom Womo. Ganz sauber ist es nicht geworden, aber besser.

 

Weiter geht's Richtung Sanliurfa. In der Mittagspause stellen wir fest, dass unser Kühlschrank ausgefallen ist, warum auch immer. Ob es an den 43 Grad C liegt oder ob er defekt ist bleibt unklar. Das schreckt uns nun auch nicht mehr, in diesem Urlaub geht eben einiges schief. In der Mittagszeit erreichen wir 45 Grad C und bei den Autobahnsteigungen steigt erstmals seit wir den Transit besitzen, die Temperaturanzeige über 1/2 und dann recht schnell zu 3/4. Um keine Überhitzung zu riskieren, fahre ich langsamer und die Steigungen nur noch im 4. statt im 5. Gang. Das wirkt und die Motortemperatur normalisiert sich wieder. Unterwegs kaufen wir in Osmaniye das nötigste an Gemüse und Getränken ein. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir Birecik am Euphrat und suchen einen Übernachtungsplatz. Aber wie so oft, wo Wasser ist, sind 100erte von Menschen, ein Parkplatz am Wasser ist nicht zu finden. wir suchen 5km lang den Fluss ab. In Nähe des Ortes finden wir ein z.Zt. ungenutztes Grundstück, auf dem 2 alte LKW stehen. Hier wollen wir übernachten. Ab 19.00 Uhr wird es dunkel und wir wollen nicht mehr weiterfahren und schon gar nicht im Dunkeln.

Etwas besseres war nicht zu finden

Dienstag, 24.08.2010 Sanliurfa und Nemrud Dagi, Begegnung  mit unfreundlichen Menschen

Wir starten nach unruhiger Nacht (Astrid ist ständig im Womo rumgegeistert) nach Sanliurfa. Gegen 12.00 Uhr erreichen wir das Stadtzentrum und finden in der Nähe eines Friedhofes einen Parkplatz. Über den quirligen, bunten Markt

 

erreichen wir den Teich von Abraham wo die Karpfen schwimmen.

Danach besuchen wir die Geburtsgrotte von Abraham, die uns allerdings eher enttäuscht. Wir haben uns extra mit langen Hosen und T-Shirts mit Ärmeln ausgestattet, die Mädchen zusätzlich mit Kopftüchern und langen Röcken. Allerdings reicht das bei den Damen nicht, sie müssen noch zusätzlich Jacken anziehen, die die Arme bis zu den Händen bedecken. Damen und Herren sind streng getrennt, es gibt verschiedene Eingänge und eine deckenhohe Trennwand. Für die Türken ist dies ein sehr heiliger Ort, in der Geburtsgrotte sind  2 Wasserhähne mit Infrarotzelle installiert , alle müssen dort Hände waschen oder Wasser trinken. Manche füllen auch Trinkflaschen. Ein Riesengedränge herrscht. Wir verzichten und begeben uns wieder zum Ausgang. (Die modernen Wasserhähne erinnern mich auch eher an ein Autobahn WC, denn an einen heiligen Ort).

Es sind 43 Grad C und alle schwitzen furchtbar. Auf dem Rückweg zum Womo fühlen wir uns sehr unbehaglich. Wir werden ständig und überall offen angestarrt, von einer Meute Kinder verfolgt, wir haben das Gefühl, uns schlägt nicht nur Misstrauen , sondern sogar Feindschaft entgegen. Zuerst Heike und später Marc werden von 2 Kindern auf dem Fahrrad angefahren, die uns verfolgen wie das dt. Finanzamt seine Steuerzahler. Später überholen sie uns und schlagen Fabian im Vorbeifahren mit voller Absicht fest in den Rücken. Da es steil bergab geht, sausen sie schnell aus unserer Reichweite. Wir sind froh, als wir wieder am Womo sind, in dessen Inneren 46 Grad C herrschen.

Wir beschließen nach den unangenehmen Erfahrungen mit der Bevölkerung auf die Besichtigung der Trulli-Häuser in Harran zu verzichten und lieber zum Nemrud Dagi zu fahren.

Im Womo stelle ich fest, dass die Solaranlage keinen Strom liefert, schiebe das aber auf die große Hitze und schenke der Angelegenheit keine weitere Beachtung.

Unterwegs auf der Bergstrecke "schießen" des öfteren kleine Jungs mit Holzgewehren bzw. Stöcken auf unser vorbei fahrendes Womo. Als wir die Fähre am Euphrat erreichen, müssen wir 1 Stunde warten. Wir Jungs nutzen die Chance zum Baden. (Frauen müssen. wie so oft in diesem Urlaub, leider draußen bleiben) Wir sind kaum fertig mit Baden, als die Fähre anlegt. Die Fährbesatzung hat nichts eiligeres zu tun, als mich wortreich (unverständlich) und durch Gesten aufzufordern sofort ein Hemd oder eine Oberbekleidung anzuziehen, ich habe im Moment nur eine Badehose an. Alle Türken sehen eher kurdisch aus und haben Palästinensertücher auf dem Kopf, schwarze Vollbärte, karierte Baumwollhemden und lange Hosen an. Die Frauen sind in langen Röcken und vollverschleiert.

Also ziehe ich mich schnell um und wir fahren auf die Fähre. Zum Glück reicht der Platz, das kleine Boot wird voll. Das Fährpersonal starrt uns während der Überfahrt unumwunden an, der eine Mitarbeiter steckt seinen Kopf durch die geöffnete Fahrerscheibe und starrt in unserem Womo umher. (Wie sie wohl reagieren würden, wenn wir das bei einem Ihrer Transit machen würden und uns dessen Insassen ansehen, vor allem die weiblichen?) Die kurze Fährüberfahrt schlägt mit 20 TL (ca. 10 Euro) zu Buche.

Wir nehmen die ca. 40 km bis zum Nemrud Dagi in Angriff. Ca. 20 km vorher fahren wir an Hotels und Restaurants vorbei, die alle "Kamping" anbieten. Deren Besitzer springen uns in den Weg und wollen uns abraten auf den Berg zu fahren. Die Straße sei schmal und zu steil für unser Womo, zumindest reimen wir uns das aus den Gesten zusammen. Uns kommen zwar Zweifel, aber wir beschließen es zu versuchen. Es ist allerdings richtig, die Straße ist sehr steil, wir fahren insgesamt bestimmt 8 der 20 km im 1. Gang und müssen dabei kräftig Gas geben. Wir bezahlen ca. 25. TL Eintritt und erreichen mit schnaufendem Womo den Gipfelparkplatz. Wieder springt uns ein Türke in den Weg und winkt uns, wir sollen dort parken. Ich muss stoppen und habe größte Probleme wieder anzufahren. Es ist sehr steil. Wir sollen neben den Imbissbuden parken, dort sei es nicht so steil, ob wir übernachten wollen? Wir hatten das geplant, antworten aber vorsorglich ausweichend "may be". Inzwischen ist es 18.30 Uhr geworden und Heike möchte den Sonnenuntergang noch sehen. Sie rennt los und wir alle mit. 600 Höhenmeter sind noch zu überwinden und obwohl es mit 28 Grad C eher kühl ist, kommen wir alle ins Schwitzen. Wir schaffen es gerade noch so, den Sonnenuntergang zu erleben und genießen die Panoramasicht und die beeindruckenden Götterstatuen. Dann beeilen wir uns mit dem Rückweg, als wir das Womo erreichen, ist es schon fast ganz dunkel. Gleich werden wir wieder überfallen, wir sollen uns setzen, Tee trinken, zu Abend essen, Postkarten und Andenken kaufen. Wir kaufen 4 Flaschen gekühltes Wasser, da unser Wasser aus dem Wassertank ca. 40 Grad C heiß ist und 3 Postkarten.

Danach essen wir im Womo zu Abend und richten uns auf eine recht "schräge" Nacht ein, das Womo hat trotzdem immer noch ca. 10 Grad Schiefstand, die Becher drohen ständig vom Tisch zu rutschen.

 

Mittwoch, 25.08.10 die Beinah-Katastrophe, wir verlieren fast 2 Räder

 

Nach wunderbar kühler Nacht (nur ca. 22 Grad C) starten wir um ca. 8.00 Uhr um vom ca. 2100m hohen Berg wieder herunter zu fahren. Wir erwarten einen Riesenstress für die Bremse und für den Fahrer, da wir mit entgegenkommenden Dolmusbussen rechnen und die Straße nicht nur sehr steil (z.T. 11% Steigung und etwas mehr) sondern stellenweise auch sehr eng, einspurig ist. Wir fahren mehrere Kilometer im 1. Gang und müssen trotzdem noch ständig bremsen.

Als wir nach 20 km wieder im Tal sind, fällt mir ein eigenartiges Klack-klack Geräusch während der Fahrt auf. Zunächst klingt es so, als käme es vom rechten Vorderrad, später so, als käme es von der Hinterachse. Wir halten und ich checke die rechte Fahrzeugseite und die Kardanwelle. Es ist kein Fehler zu finden. Wir fahren weiter. Nun wird das Geräusch lauter und die Hinterachse "hoppelt". Vorbei an einem Polizeifahrzeug, dass gerade eine Geschwindigkeitskontrolle durchführt, retten wir uns wenige hundert Meter später in einen Feldweg. Mein Verdacht ist, dass die Hinterradbremsen zu heiß wurden durch die steile Abfahrt und evtl. Bremsteile sich selbständig gemacht haben und nun in der Bremstrommel Unsinn anrichten. Also muss ich notfalls die Trommeln abnehmen und nachsehen, was mit der Bremse los ist.   

Diesmal sehe ich mir die Fahrerseite zuerst an und mich trifft fast der Schlag.2 Radbolzen sind abgerissen und fehlen, 2 Radmuttern fehlen ebenfalls, nur noch 2 Radmuttern halten die Zwillingsräder. Diese Muttern haben sich ebenfalls schon weit gelöst, die beiden Felgen stehen fast 1 cm auseinander! Eine Weiterfahrt ist so unmöglich und wäre lebensgefährlich. Ich bocke den Wagen auf und nehme die Räder und die Bremstrommel ab. Die Bremse ist völlig okay., "nur" die Radbolzen sind abgerissen und die Radnabe und die beiden Felgen haben aneinander gescheuert und aus der Radnabe sind ca.. 3 mm Material, aus den Felgen ca. 1-2 mm abgescheuert.

das Problem aus der Nähe:

In dem Moment fahren die beiden Polizisten los, ich renne zur Straße und winke sie heran. Sie halten, sprechen aber wie immer weder deutsch noch englisch. Ich renne zurück zum Womo und hole einen abgerissenen Bolzen. Das weckt Ihr Interesse. Sie parken neben dem Womo und sehen sich die Bescherung an. Durch Gesten verständigen wir uns, sie rufen für uns einen Mechaniker an, der Ersatzteile bringen soll. Dann stehen sie am Womo herum. Ich biete Ihnen unsere Campingstühle an und sie nehmen im Schatten Platz. (Polizisten scheinen in diesem Land Zeit zu haben) Sie sind sehr interessiert am Womo und ich lade sie zur Besichtigung ein. Sie sind positiv überrascht, vor allem Kühlschrank und Wasserhahn finden sie gut. Nur ohne Klimaanlage? Impossibile. Dann wird es ihnen langweilig und sie fahren ab zur nächsten Radarfalle. Nach ca. 1 Stunde kommt der Mechaniker. Er hat Radbolzen dabei, aber die falschen. Auch er spricht nur türkisch. Er schnappt sich einen der noch halbwegs heilen Radbolzen und eine der beiden Muttern und saust wieder ab. Eine weitere Stunde vergeht. Er kommt, diesmal mit den fast richtigen Radbolzen und Muttern. Die Radbolzen sind ca 5mm zu kurz, aber es wird wohl gehen. Gemeinsam bauen wir das Womo wieder zusammen und nun gehts ans Bezahlen. Wir sollen 120 TL bezahlen, haben aber nur noch ca 60TL. Ich gebe ihm 20 TL und 50 Euro. Das ist ihm zuerst zu wenig. Ich schreibe auf einem Papier 2TL = 1 Euro. Es arbeitet in ihm, es erscheint ihm zu wenig. Nach einiger Zeit ist der dann plötzlich doch einverstanden, strahlt und gibt mir seine Visitenkarte und tuckert mit seinem mind. 25 Jahre alten Renault 12 davon.

Notdürftig wasche ich mich, mein T-Shirt ist völlig teerversaut. Von der Bitumenstraße ist der ganze Unterboden des Autos verschmiert und ich kam damit beim Reparieren in Kontakt.

So, nach 3 Stunden Zwangspause geht es weiter in Richtung Kappadokien. Unterwegs halten wir nach ca 30km nochmals an und ziehen die Radmuttern erneut nach. Ich befürchte, dass sich die Felgen nicht mehr richtig auf der Nabe zentrieren, nachdem diese Teile nun ausgeschlagen sind und damit zuviel "Luft" haben. Alle 50km halten wir nun an und überprüfen die Radschrauben aber zum Glück lockern sie sich nicht erneut. Bis heute rätsle ich, wie es zu diesem Schaden kommen konnte. Hätten wir nur Radmuttern verloren, wäre auch ein Anschlag denkbar, Da aber auch 2 Radbolzen abgerissen sind, ist dies wohl unwahrscheinlich, warum sollte sich der Täter die Arbeit machen, die Bolzen anstrengend abzudrehen, wenn es reichen würde, die Muttern zu entfernen?

Bei 43 Grad C fahren wir vorsichtig weiter. Mittags suchen wir eine Bank und statten uns mit neuem Bargeld aus- wir brauchen es ja ständig für Reparaturen. Danach kaufen wir Getränke, wir haben nur noch brühwarmes Wasser aus dem Tank, der Kühlschrank hat seinen Dienst seit 3 Tagen auch eingestellt. Wir sind froh, als wir die Autobahn erreichen. Gegen 19.00 Uhr steuern wir einen Autobahnparkplatz an, hier wollen wir übernachten und morgen die restlichen 150km bis Göreme fahren - wir vermeiden es auf jeden Fall im Dunklen zu fahren, es sind zu viele unbeleuchtete Fahrzeuge unterwegs und die z.T. heftigen Schlaglöcher sieht man auch zu spät.

Nach dem Abendessen spielen wir "stille Post mit malen", ich schreibe den Reisebericht, ehe alle ins Bett gehen. Heute Nacht werden wir die Fenster schließen, wir fühlen uns unsicher auf dem Parkplatz und sind - natürlich auch hier- die Attraktion für alle Türken die z.T. ungeniert uns an und ins Womo starren.

Hoffentlich hält unser Womo nun den Rest der Tour durch, unser Bedarf an Pannen ist mehr als gedeckt!

 

Donnerstag, 26.08.10 auf nach Kappadokien

Nach überraschend ruhiger Nacht auf dem Autobahnparkplatz starten wir nach dem Frühstück nach Kappadokien. Zur Mittagszeit erreichen wir Göreme und quartieren uns auf dem "Panorama Camping", dem gleichen CP wie 2006, ein. Der Preis ist heftig, wir bezahlen für 2 Nächte 130TL, also über 65 Euro.

Zunächst müssen wir ver- und entsorgen, dann springen wir in den Pool. Den Rest des Tages verbringen wir mit Baden, Karten spielen und faulenzen. Abends gibt es eine Sensation, es sind um 20.00 Uhr nur 22,7 Grad C. Heike friert sofort und flüchtet ins Womo. Auch heute hat die Solaranlage keinen Strom geliefert, ich bin jedoch zu faul aufs Dach zu steigen und nach dem Panel zu sehen.

 

Freitag, 27.08.2010 wir besichtigen das Liebestal

Geweckt werden wir vom Fauchen der Gasbrenner der Heißluftballone um 7.00 Uhr.

Wir drehen uns nochmal um und schlafen bis 8.00 Uhr. Heike klagt über furchtbare Bauchschmerzen. Sie vermutet, dass sie zuviel kaltes Cola getrunken hat, als es so heiß war. Nachdem unser Kühlschrank ausgefallen und das Wasser im Wassertank z.T. über 40 Grad C warm war, haben wir relativ viel gekühltes Wasser und Cola gekauft.

 

Nach dem Frühstück starten wir zum Liebestal und bewundern die bizarren Feenkamime, die uns auch 2006 schon faszinierten. Danach kaufen wir in Göreme noch Eier, Brot und Obst. Den Nachmittag verbringen wir wieder auf dem Campingplatz, die Kinder sind stundenlang im Pool. Abends spricht uns das motorradfahrende Paar an, das auf dem selben CP campt. Sie sind seit 4 Monaten auf ihrer Hochzeitsreise durch Europa. Sie haben ihr Motorrad nach London fliegen lassen und starteten von dort über Frankreich und Deutschland und weiter auf dem Landweg in die Türkei. Sie wollen noch weiter in den nahen Osten und dann nach Kappstadt in Südafrika. Dort soll ihre Reise in 6 Monaten enden und sie fliegen zurück nach Michigan in den USA. Wir haben Hochachtung vor dieser Reise und den Entbehrungen, die die beiden als Motorradtouristen auf sich nehmen.

 

Auch das Bild von 2006 müssen wir nochmal machen, viel hat sich nicht geändert:

 

                            2010                                                                                                2006

Morgen wollen wir weiterfahren auf unserem Rückweg nach Griechenland.

 

Samstag, 28.08.10 Kappadokien-Istanbul ca. 600 km

Wir starten um 8.15 Uhr und fahren in Ankara auf die Autobahn. Das dortige Bezahlsystem checken wir nicht, es kommt kein Ticket heraus. Also fahren wir so und erreichen gegen 17.30 Uhr Istanbul. Dort muss wieder Maut bezahlt werden, wir stehen vor einem Rätsel wie das funktionieren soll, nirgends ist ein Ansprechpartner, der Geld will. Schließlich hilft uns ein Türke er deutet auf ein Haus, 200m hinten.  Ich laufe zurück, der Schalterangestellte versteht wie immer nur türkisch, - das sind wir ja gewohnt. Er verlangt 50 TL von mir, wir erhalten eine Magnetkarte. Ob dies nun die Gebühr seit Ankara ist oder ob dies- was wahrscheinlicher ist- eine Guthabenkarte zur mehrfachen Straßenbenutzung ist, bleibt unklar. Wir wollen Istanbul und seinen Verkehr noch hinter uns bringen und stürzen uns in den heftigen Hauptstadtverkehr. Über die Brücke geht es 4-spurig in jeder Richtung, glücklicherweise staufrei. Aber ca 5km später erwischt es uns dann doch, Stau bei der Verrengung von 4 auf 3, dann das gleiche Spiel bei 3 auf 2 Spuren. Dann endlich läuft es wieder besser. An der nächsten Mautstelle wollen wir mit der Magnetkarte bezahlen, was anscheinend nicht klappt, jedenfalls schaltet die Ampel sofort wieder auf rot. Ungeduldig hupen die Türken hinter uns, wir sollen endlich durchfahren. - also los. Inzwischen ist es 19.00 Uhr geworden, wir steuern den ersten Rastplatz nach Istanbul an. Dort gibt es sogar einen kleinen Laden. Wir kaufen wieder gekühlte Getränke, Brot und Wurst. Die Kinder haben ein Fast-Food Restaurant entdeckt und bekommen Pommes und Cola. Ich begnüge mich mit Brot und Wurst. Danach richten wir uns für die Nacht ein. Es sind noch ca. 250 km bis zur griechischen Grenze und wir wollen im Dunkeln keinen Stellplatz mehr suchen. Astrid verzweifelt am Abend, sie kann mit ihrem Handy ihren Freund nicht erreichen.

 

Sonntag, 29.08.2010 zurück nach Griechenland

Nach einigermaßen ruhiger Nacht kaufen wir nochmal frisches Brot und starten nach dem Frühstück in Richtung Griechenland. Ca. 250 km bis zur Grenze liegen vor uns. In der Mittagszeit erreichen wir Kesan, den letzten größeren Ort vor der Grenze. Mit unseren letzten türkischen Lira kaufen wir Lebensmittel und 2 Luftmatratzen und essen bei einem Fast-Food Restaurant zu Mittag. Den Rest des Geldes wollen wir vertanken, geraten aber an einen völlig perplexen Tankwart, der es anscheinend noch nie erlebt hat, dass jemand volltanken möchte. Jedenfalls tankt er den Tank nur 3/4 voll, so dass 50TL leider übrig bleiben. Wegen des Preisunterschiedes zu Griechenland tanken die meisten Kunden, wie unser Tanknachbar nur geringe Geldbeträge, er vertankt gerade einmal 10TL.

Dann geht es die verbleibenden 30 km zur Grenze. Dort erwartet uns ein Stau von über 100 wartenden LKW, die wir zum Glück umfahren dürfen. Wir bringen das umständliche bürokratische Ausreiseverfahren, inkl. Austragung des Womos aus dem Pass hinter uns und stehen dann bei den Griechen im Einreisestau. Glücklicherweise ist nach ca. 30 Minuten alles überstanden und wir haben freie Fahrt. Schnell legen wir über die Autobahn die ca. 240 km zurück bis zum Strand in Griechenland, an dem wir am 13.08. schon waren. Gegen 18.00 Uhr stürzen die Kinder mit den neu erworbenen Luftmatratzen ins Meer. Die motorisierten Paraglider sind auch wieder da und diesmal gelingt es mir, Start und Landung zu filmen.

Der Himmel bedeckt sich zusehens und es sieht nach Regen aus. (das wäre der erste in den vergangenen fast 3 Wochen) Als gegen 20.00 Uhr die Schnaken kommen, flüchten wir ins Womo und gehen gegen 21.00 Uhr müde zu Bett. In der Nacht kommt gegen 2.00 Uhr heftiger Wind auf und wir müssen auf der Meerseite sogar die Fenster schließen.

 

Montag, 30.08.10 Unsere Solaranlage ist weg!

Um 7.00 Uhr werden wir wach. Es weht immer noch ein starker Wind und es sind angenehme 26. Grad C. Fabian und Birgit versuchen im Meer mit den Luftmatratzen zu baden, aber der Wind ist so stark, dass sie die Luftmatratzen nicht steuern / benutzen können. Außerdem ist es ihnen wohl zu kalt, was sie aber bestreiten. Also beschäftigen sich alle im Womo. Heike liest, die Kinder spielen Nintendo, ich schreibe Reisebericht auf dem Laptop. Heike hat immer noch starke Bauchschmerzen und fühlt sich schlecht. Sie und Birgit haben zudem Durchfall. - Das kann diesmal eigentlich nicht am Wasser aus "zweifelhaften" Quellen liegen, da wir wie gesagt in diesem Urlaub nahezu alle Getränke gekauft haben.

  

Da war es mal, das 135 WP Paneel

Am Nachmittag geht es Heike besser, wir baden mit den Jungs, der Wellengang ist so stark, dass sie sich kaum im Wasser halten können. Ich beschließe, endlich dem Problem mit der Solaranlage auf den Grund zu gehen. Ich steige auf das Dach und traue meinen Augen kaum: Das Panel ist weg, der auf der einen Seite aufs Dach geklebte Halter ist noch da, der mit der Reling verschraubte Halter des Panels auf der anderen Seite fehlt. Das Panel ist auf der einen Seite mit 5 10er Schrauben am Halter verschraubt gewesen, auf der anderen Seite ebenfalls mit 5 Schrauben und mit 3 Schrauben an der Reling verschraubt gewesen. Das Kabel ist aus dem Stecker gerissen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass das Panel bei voller Fahrt vom Dach gerissen wurde. Es war ca. 1,2m x 0,8m groß. Eine 1qm große schwere Glasplatte hätte ich m.E. bemerkt, wenn die bei der Fahrt "abgesegelt" wäre. Auch hätte m.E. die dahinter montierte Dachluke Schaden nehmen müssen, das Panel wäre nämlich beim "Abflug" mit der Luke unweigerlich kollidiert. Wir sinieren, ob uns in Sanliurfa das Panel geklaut wurde und die Diebe zusätzlich versuchten uns die Hinterreifen (die Reifen sind ja alle neu) zu stehlen. Dann würden auch die abgedrehten Radbolzen Sinn machen, beim Transit bis Baujahr 1999 hatten die Radbolzen an der Hinterachse auf der Fahrerseite Linksgewinde, bei unserem Modell nicht mehr. Vielleicht wollte man uns die Reifen stehlen und drehte dabei falsch herum und dabei die Radbolzen ab? Vielleicht waren die Jungs die uns umringten und verfolgten ein Vorposten bzw. sollten uns ablenken? Natürlich ist es auch möglich, dass sich die Radbolzen von selbst lösten und die schlechten Straßen die Schrauben des Solarpanels losvibrierten, aber das wären schon sonderbare Zufälle, zumal beides unmittelbar nach Sanliurfa passierte? Jeder mag seine eigenen Schlüsse ziehen, wir die unseren, zumal wir uns in Sanliurfa wenig willkommen fühlten.

Dienstag, 31.08.10 wir fahren nach Igoumenitsa

Heute fahren wir zurück zum Hafen (ca 380km) und fragen, ob wir eine Woche früher mit der Fähre zurück fahren können. Die 3 Mädels am Fährbüro sind von unserem Anliegen wenig begeistert, wir stören sie bei ihre angeregten Unterhaltung, - worüber auch immer- und so schaut sie kurz in Ihren Computer um uns dann kurz und bündig mitzuteilen, there ist no place free earlier . OK "Müssen" wir also noch eine Woche warten bis zu dem von uns gebuchten Termin. Wir fahren auf der Küstenstraße weiter und finden nur wenige Kilometer hinter dem Hafen von Igoumenitsa an einer Lagune ein kleines Eukalyptuswäldchen, in dem einige Womos stehen trotz des Schildes "no camping" Ich interviewe ein dt. Rentnerpaar, wie ernst das gemeint sei und sie meinen, sie stünden jedes Jahr hier, es sei kein Problem. So bleiben wir. 3 Kinder gehen im Meer baden, später spielen wir und essen zu Abend.

Mittwoch, 01.09.10 faul am Strand

Den Tag verbringen wir bei angenehmen 26 Grad C im Halbschatten mit Baden. Lesen, Karten Spielen und faulenzen. Unser Klo entsorgen wir im unglaublich schmutzigen Klohäuschen am Strand. Ich packe das Wagenheberzubehöhr in den originalen, sehr engen Platz in der Beifahrertrittstufe.

 

Donnerstag, 02.09.2010 Einkaufen und Baden

Nach dem Frühstück fahren wir nach Igoumenitsa zum Lidl zum Einkaufen. (Ausfallstraße nach Ioanninia). Dort treffen wir auf eine Unmenge Deutsche bzw. Deutschtürken auf der Rückreise. Den Rest des Tages verbringen wir mit baden, spielen und faulenzen. Am Strand wird es merklich leerer, die Zahl der Wohnmobile nimmt deutlich ab, wohl auch, weil nur noch Bayern und Baden-Württemberg noch Sommerferien haben. Wohnmobile mit Kindern an Bord gibt es gar keine mehr, nur noch Paare mit Hund oder Rentner. Die Kinder entdecken einen kleinen herrenlosen Hund und spielen mit ihm und füttern ihn. Am Abend sitzen wir mit unseren Nachbarn, 2 Rentnern, die ebenfalls zufällig aus Karlsruhe stammen, bei einem Glas Wein zusammen. Gegen 23.00 Uhr gehen wir müde zu Bett.

 

 

Freitag, 03.09.10 Eine Premiere: der erste Regen des Urlaubs

Morgens entsorge ich wieder am Klohaus und hole mit der Gieskanne 20l Wasser. Heute ist es bedeckt und mit 23 Grad C ungewohnt kühl. Nicht einmal die Kinder haben zunächst Lust zu baden. Erst am Nachmittag gehen sie schwimmen im Meer. Ein kleiner Papagei besucht uns und wird von unseren Womonachbarn mit Brot gefüttert. Kurz danach beginnt es zu regnen. Die Kinder suchen den kleinen Hund, unser Womonachbar berichtet, dass die Sintifamilie die am Eingang des Gebietes zeltete nachts vorbeikam und den Hund mitnahm. Den Kindern wird es am Nachmittag langweilig, sie können sich auf kein gemeinsames Spiel einigen, stattdessen spielen sie das beliebteste Spiel aller Kinder: sie streiten miteinander.

 

Samstag /Sonntag 04/05.09.2010

Am Samstag regnet es morgens heftig. Wir brauchen sowieso einige frische Lebensmittel. Also nutzen wir das schlechte Wetter zum Einkaufen. Am Mittag klart es auf und wir baden im Meer und sitzen vor dem Womo. abends schauen wir die Bilder des Urlaubs auf dem Laptop. Der Tag klingt mit gemeinsamen Kartenspielen aus.

Am Sonntag lernen wir eine Freiburger Familie mit ihrem Expeditionsmobil kennen. Sie waren  in 2008 / 2009 ein ganzes Jahr unterwegs in Südafrika und sind nun in Albanien unterwegs gewesen. Fabian findet schnell Anschluß beim 11 jährigen Felix und die beiden fahren Paddelboot auf dem Meer und bauen Sandburgen. Plötzlich taucht zur Freunde der Kinder der kleine Hund wieder auf. Wir Erwachsenen sitzen abends bis spät in die Nacht vor dem Womo und tauschen Reiseerlebnisse aus. Ein unterhaltsamer Abend.

 

Montag, 06.09.2010 Spielen mit den Freiburgern

Gleich um 7.30 Uhr gehen Heike und ich im Meer baden, die Kinder schlafen noch. Seit wir von der Freiburgern den Trick kennen, wie man die Stranddusche aktivieren kann

(ein versteckter Absperrhahn muss geöffnet werden) können wir endlich auch das Salz von der Haut duschen,.

Nachdem die Freiburger gegen 11.00 Uhr wach sind, sausen unsere Jungs zu denen, um mit Felix zu spielen. Die Kinder verstehen sich super und bauen riesige Strandburgen, paddeln mit dem Boot der Freiburger aufs Meer und die Mädchen machen verschiedene Spiele wie Kniffel und Keltis. Später am Abend sitzen wir Erwachsenen noch gemütlich zusammen. Die Jungs sind total enttäuscht, als sie nicht zusammen am Meer in ihrem Erdloch schlafen dürfen. Am Dienstag um 6.00 Uhr starten die Freiburger schon zu ihrer Fähre. Wir überreichen unsere Visitenkarte, vielleicht melden sie sich mal bei uns? Wir fanden sie super nett und würden gerne mal eine gemeinsame Tour machen, solange diese nicht gerade Allrad erfordert. :-)

 

Dienstag, 7.09.10 der letzte Tag am Strand

Wir kaufen nochmal ein und füllen den Wassertank mit der Gießkanne an der Stranddusche. Den Tag verbringen wir mit Baden, Faulenzen und Reisevorbereitungen. So muss die Luft aus den Luftmatratzen gelassen werden und wir putzen das Bad etc. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Gegen 18.00 Uhr fahren wir zum Hafen und checken ein. Das Boot hat etwas Verspätung und so wird es fast Mitternacht, bis alle an Bord sind. Das Schiff ist total voll, nicht nur mit Womos und LKW auch viele PKW wollen zurück. Das Camperdeck wird sehr voll, wir stehen am Schluss 4 bzw 5 Reihen von den Fensteröffnungen entfernt, es sind 26 Grad C und wir stehen so eng, dass wir kein Fenster öffnen können. die Aufbautür geht nur gerade so am Außenspiegel des Nachbarwomos vorbei. Schnell schließe ich noch den Strom an, so können unsere Batterien wieder aufgeladen werden. Die haben das dringend nötig, nach einer Standzeit von 1 Woche sind sie zu 1/2 entladen. Wir sind so müde, dass zunächst alles egal ist und wir müde ins Bett fallen.

Unser Boot kommt

Mittwoch, 08.09.10 / Donnerstag 09.09.2010 Es geht zurück!

Nach heißer Nacht erwache ich gegen 7.00 Uhr und sause zur Dusche. Ich bin der erste und genieße es ausgiebig zu duschen. Ich würde mir nur noch kälteres, erfrischenderes Wasser wünschen, aber es ist auch so ok. Nach dem Frühstück erkunden wir das Boot, Italiens Küste ist schon zu sehen. Es sieht sehr nach Regen aus, wir sind gespannt, welches Wetter uns im Hafen erwartet. Die Kinder haben Flaschenpost gebastelt und werfen diese über Bord. In 4 Sprachen bitten wir den Finder eine kurze E-mail zu schicken wann und wo er die Flasche gefunden hat. Wir sind gespannt, ob wir je etwas hören werden.

Update: Sowohl Fabian als auch Birgit bekommen nach ca. 3 bzw 4 Wochen eine E-mail aus Brindisi. Dort wurden die Flaschen von Kindern  am Strand gefunden.

Am Nachmittag erreichen wir Ancona im Regen und nach dem Volltanken starten wir durch zu unserer 1000km Heimfahrt. Da wir am 9.9.10 ab 9.00 Uhr wieder arbeiten müssen, ist Kilometerfressen angesagt.  Gegen 18.00 Uhr machen wir Rast und essen zu Abend. Ein heftiges Gewitter geht nieder, es hagelt kirschgroße Hagelkörner und wir befürchten, der Hagel könnte die Dachluken einschlagen oder das Auto verbeulen. Zum Glück bleibt uns dies erspart. Müde erreichen wir schließlich Stutensee. Wir müssen uns erst an das Regenwetter und die 19 Grad C gewöhnen, vor 10 Tagen hatten wir noch über 40 Grad C !

 

Resümee / Reisetips

Es war ein erlebnisreicher aber auch sehr anstrengender und durch die vielen ungeplanten Ausgaben leider auch unerwartet teurer Urlaub. Zum Schaden der gestohlenen Solarzelle im Wert von 600 Euro gesellt sich noch die beschädigte Radnabe und Felgen. Alleine die Ersatzteile dafür würden sich ohne Einbau auf fast 800 Euro belaufen.  Es bleibt abzuwarten, ob und wie wir den Schaden evtl. günstiger beheben können.

Dazu kommen noch die Kosten für den Austausch des Zweimassenschwungrades in ein Einmassenschwungrad von ca. 300 Euro in der Türkei, sowie der notwendige Rücktausch vom Einmassenschwungrad zum Zweimassenschwungrad von weiteren ca. 800 Euro ohne Arbeitslohn. Die Radbolzen sind ja ebenfalls nicht ganz richtig, hier kommen für den Austausch weitere 35 Euro auf uns zu.  Auch das Loch in der Seitenwand müssen wir flicken und den beschädigten Türhalter erneuern. Hier rechnen wir mit ca. 50 Euro. Das Reinigen des Womos mit Diesel kostete uns in der Türkei ca. 35 Euro, in Deutschland haben wir für Spezialreiniger bereits weitere 35 Euro ausgegeben und die Reinigung ist noch nicht beendet.

Mit bis zu 50 Grad C war es uns in der Türkei dann doch zu heiß, gewissermaßen das andere Extrem zu unseren Schwedentouren. Die Menschen traten uns in der Regel freundlich bzw. neutral gegenüber. Eine Ausnahme machen dabei Sanliurfa und das Kurdengebiet am Eufratstausee. Hier fühlten wir uns nicht nur nicht wohl, sondern hatten sogar Angst um unsere Sicherheit. Deshalb haben wir auch den Abstecher zum Vannsee gelassen.

Für die nächsten Jahre werden wir wohl keine Reisen mehr in die Türkei mehr unternehmen, evtl. wenn wir wieder ohne Kinder reisen und die Zeit der größten Sommerhitze meiden können.

Campingplätze gibt es eher wenige und wenn, dann nur an den Haupttourismusattraktionen oder an der Küste. Will man im Landesinnere ans Wasser wird es schwierig, da das auch alle Einheimischen wollen und es verhältnismäßig Möglichkeiten dazu gibt. Hier gibt es oft kaum eine Möglichkeit mit dem Womo vernünftig zu stehen.

Trinkwasser gibt es praktisch überall in erstaunlich guter Qualität an öffentlichen Brunnen, auf die an den Landstraßen sogar Straßenschilder hinweisen.  Die Türken und auch wir haben es bedenken- und folgenlos getrunken, ohne Chemie hineinzuschütten. Allerdings war es durch die große Hitze in unserem Wassertank so stark erwärmt, dass man es kaum noch trinken wollte. Wir sind dann auf gekühltes Wasser umgestiegen, dass es überall, auch an Tankstellen, zu kaufen gibt.

Lebensmittel sind etwas günstiger als bei uns, die großen Discounter fehlen. Man kauft im Tante Emma Laden und muss mit der eher begrenzten Auswahl leben bzw. wenig gefragte Produkte sind mitunter verdorben. (so z.B. der Papierkleber, den Birgit für ihr Tagebuch kaufte)  Eier erhielten wir z.B. in einer Zigarettenstangenverpackung verkauft, was die Kinder sehr ekelte. Manche Produkte gibt es schlicht gar nicht, z.B. Schokolade und Schokoriegel, Milch, Pudding etc. hauptsächlich die Produkte die einer lückenlosen Kühlung bedürfen um nicht zu verderben.

Trotz allem ist es ein faszinierendes Reiseland das in den südlicheren Landesteilen bislang kaum Tourismus kennt und bestimmt immer eine Reise wert ist.

 

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